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Über den Dächern einer Stadt

 

Eine etwas andere Perspektive von Altbekanntem

Bernburg von oben

Mit jeder Stufe der Turmtreppe, mit jeder Sprosse der Kranleiter oder dem Gerüst steigt die Neugier, was mich diesmal erwartet. Welcher Ausblick auf das andere Bernburg mir vergönnt sein wird.

Ein erster Rundblick, die Zeitspanne, die es braucht, Atmung und Puls wieder auf den Normalzustand zu bringen. Sobald auch die Hände ruhig genug sind, hängt die Kamera vor dem Auge. Momente, Augenblicke, Aussichten, Eindrücke. Stand-Sequenzen eines Filmes, den ich mir ansehe wie ein Unbeteiligter. Ich nehme das Geschehen in den Straßen wahr, aber es berührt mich kaum noch.

Die Lieferung frischen Brotes beim Bäcker, schwatzende Frauen am Zeitungskiosk und bratwurstessende Leute am Imbißstand, der Straßenmusikant an der Ecke oder die Biertrinker auf der Bank. Szenen einer Alltäglichkeit, der ich weit entrückt bin. Mindestens für eine halbe, dreiviertel Stunde und vierzig Meter. Fünfzig. Manchmal auch weniger. Aber immer über Grund.

Der Gedanke an Voyeurismus komt auf beim Anblick eines gedeckten Frühstückstisches auf einem Balkon,

 

Den meisten bleiben diese Ansichten immer verschlossen. Bequemlichkeit, Höhenangst. Vielleicht hatte ich die früher auch mal. Ich weiß es nicht mehr. Wenn, kann das eh nur bis zum ersten Foto gedauert haben. Dann hat die Sucht die Angst verdrängt. Vollständig und ohne Rückfall. Wieso auch Angst. Die Treppen der Türme haben meistens schon Jahrhunderte gehalten. Warum sollten sie ausgerechnet dann, wenn ich sie ersteige, zusammenbrechen. Kräne werden gebaut, um tonnenschwere Lasten zu heben, da werden sie von meinen paar lächerlichen Kilos wohl nicht gleich umfallen.

 

ist aber sofort wieder vegessen durch die Aussicht auf das Häusergeschachtel, das sich unter mir ausbreitet, durch die Turmskyline des Schloßviertels oder der Kirchen der Talstadt. Die Dominanz der Industriebetriebe im Stadtbild ist nicht zu übersehen. Der Dom des Zementwerkes erhebt sich noch wuchtiger über die Stadt, die Schrägen und der Turm des Steinsalzwerkes sind prägnant für den südlichen Horizont, während sich das Sodawerk scheinbar inmitten der Wohnhäuser befindet. Einen angenehmen Kontrast zur Industrielandschaft Bernburg bildet die Parklandschaft Bernburg. Weiter entfernte Straßenzüge lassen sich leicht durch die grüne Linie der Bäume erkennen, das Landratsamt wirkt bei entsprechender Kameraeinstellung wie ein Schloß im Wald. Plätze und Innenhöfe sind grüne Inseln zwischen roten Dächern.

 

Für das bißchen Anstrengung beim Klettern aber werde ich überaus reichlich entlohnt mit bisher nicht gekannten Anblicken der Stadt, von der ich annahm, sie bis in jeden Winkel zu kennen. Bernburg von oben - das sind einzigartige Ansichen einer Stadt, die plötzlich so vollkommen anders aussieht, als man es bisher gewohnt war.

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